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Traumziel Amazonas?! Ein Piraten-Erlebnisbericht

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Piraten, ihr kennt das ja vielleicht selber auch nur zu gut: Viele von uns haben eine imaginäre "bucket list" mit Reisezielen, die wir unbedingt (und damit meinen wir wirklich unbedingt!) einmal im Leben besuchen möchten. Dabei muss es gar nicht um Angeberei oder das Abhaken typischer "hot spots" gehen, sondern es können Orte sein, die sich euch, aus welchen Gründen auch immer, als persönliche Sehnsuchtsziele in den Kopf gesetzt haben.

Eines meiner Sehnsuchtsziele war seit Langem der Amazonas - inspiriert wurde ich bereits vor vielen Jahren durch zahlreiche TV-Dokumentationen auf dem elterlichen Sofa. Seitdem liessen mich diese Bilder nicht mehr los: Ein Gebiet von schier unvorstellbarer Grösse - endloser "unberührter" Dschungel mit exotischen Tieren und Pflanzen, ebenso ausgedehnte Flusslandschaften und - last but not least - menschliche Zivilisation, die allerhöchstens als Fussnote des Ganzen in Erscheinung tritt! Soweit also mein persönliches Kopfkino. Trotz dieses verheissungsvollen Imaginärs dauerte es jedoch eine ganze Weile bis ich mir selber ein Bild vor Ort machen würde. Letztes Jahr planten wir dann eine Brasilienreise und es stand sofort fest: Eine der Stationen muss nun endlich der Amazonas werden!

Flüge an den Amazonas


Vorbereitung und Planung

Als halbwegs routinierter Reisender bin ich normalerweise nicht nervös; irgendwie jedoch dämmerte es mir, dass der Amazonas eben kein ganz "normales" Reiseziel ist. Obwohl ich bereits verschiedene "exotische" Orte besucht hatte, gingen mir nun Fragen wie diese durch den Kopf: Was, wenn in der Wildnis etwas schief läuft? Was ist mit giftigen/gefährlichen Tieren? Was ist mit Krankheiten und ärtzlicher Versorgung? Kurzum, ich war aufgeregt. Schliesslich war dieses Gebiet noch vor gut 100 Jahren höchstens Expeditionen und Forschungsreisenden vorbehalten. Ich glaube, ich war niemals zuvor bei einer Reise so gut ausgerüstet wie auf diesem Trip: Meine Reiseapotheke hätte vermutlich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag gerreicht, ich hatte mehrere Taschen- und Stirnlampen, Expeditionsklamotten (inkl. Tropenhut), Powerbanks für eine mehrtägige Stromversorgung meiner Geräte und vieles mehr. Alles wurde wasser- und luftdicht verpackt. Wildnis - nun war ich bereit für dich! :)

Auch heutzutage kann man die Region nicht auf eigene Faust erkunden - man braucht einen Guide. Im Internet fand ich Dutzende Anbieter - nach einiger Recherche entschied ich mich für Amazon Tarzan Jungle Tours. Norberto (aka "Amazon Tarzan") ist ein echter Native und wuchs als Sohn eines Schamanen mitten im Dschungel Amazoniens auf. Seit über 20 Jahren bietet er verschiedenste Touren durch die Region an. Wir für uns die 5-tägige Samaúma Tour und, Spoiler-Alarm, haben diese Entscheidung keinen einzigen Moment bereut, einen besseren Führer könnte man sich wohl kaum vorstellen!

Zu den Touren


Anreise - Das Abenteuer beginnt

Bereits beim Anflug auf Manaus bekamen wir eine leise Ahnung von den Dimensionen Amazoniens, das war definitiv eine ganz andere Nummer als alles, was wir zuvor gesehen hatten. Unser Amazonas-Trip begann in der Tat direkt mit einem kleinen Aufreger, doch das hatte andere Gründe. Unser Tourguide und seine Frau empfingen uns am Airport um uns zu dem - von mir im Vorfeld reservierten - Hotel zu bringen. Ich hatte es über ein renommiertes Buchungsportal gebucht und noch wenige Tage zuvor per Mail mit dem Hotel Details bezüglich unseres Aufenthaltes abgesprochen. Als wir ankamen fanden wir zu unserer grossen Überraschung jedoch nur eine verlassende Baustelle vor - das Hotel war für eine grundlegende Renovierung komplett geschlossen :)

Auch wenn unser Guide mit dem Problem nichts zu tun hatte war ihm die Situation spürbar peinlich. So suchte er spontan für uns ein neues Hotel in der Stadt und holte uns dort am nächsten Morgen ab. Zuerst ging es per Speedboot über den eigentlichen Amazonas. Der Begriff "Fluss" wird der gigantischen Grösse schlicht nicht gerecht - der Amazonas ist an dieser Stelle bereits so breit, dass man mit blossem Auge kaum das andere Ufer wahrnimmt und eigentlich eher an einen grossen See denkt. Anschliessend fuhren wir eine Weile mit dem Auto und bestiegen schliesslich ein anderes Boot auf einem viel kleineren Fluss. Alles war perfekt organisiert und lief wie am Schnürchen. Für die knapp 100 Kilometer von Manaus brauchten wir reichlich dreieinhalb Stunden.


Unterbringung

Die Amazon Tarzan Lodge befindet sich auf einer Privatinsel im Rio Juma, einem vergleichsweise kleinen der unzähligen Amazonas-Nebenflüsse. Auf der Insel befinden sich mehrere Wohngebäude für die Familie, daneben etwa 5 Gästebungalows sowie einen Speise- und Aufenthaltspavillon. Schweine, Hühner, Hunde und unzählige weitere kleine und grosse Wildtiere leben in der Umgebung. Besonders eindrucksvoll ist das nächtliche Brüllen der Affen! Die Bungalows sind zwar einfach und rustikal, dennoch komfortabler als wir es uns vorgestellt hatten: Durch die Sammlung von Regenwasser stehen sogar jeweils ein eigenes WC und eine (kalte) Dusche zur Verfügung. An wenigen Stunden pro Tag sorgt ein Generator für Strom auf der Insel. Licht allerdings gibt es in den Bungalows keines, daher empfiehlt sich eine Camping-Lampe oder ähnliches. Die reichhaltige Vollpension wurde von der Hausherrin zubereitet und bestand unter anderem häufig aus Fisch, Eiern, Bohnen, Mehlspeisen sowie frischem Obst und Gemüse - vieles davon aus eigener Produktion.

Tagesablauf

Der Amazonas ist nichts für Langschläfer - die Tage beginnen recht zeitig und zumeist wurden wir durch das morgendliche Vogelgezwitscher geweckt. Elektrisches Licht ist nach wie vor selten, somit findet aktives Leben grösstenteils in der Tageslichtphase (in der Zeit unseres Besuchs etwa zwischen 6Uhr morgens und 19 Uhr abends) statt. Die Tage waren grundsätzlich sehr ähnlich strukturiert: Frühstück - (evtl. Abwarten des Regenschauers) - 1. Ausflug - Rückkehr zum Mittagessen - Ruhepause (Abwarten des Regenschauers) - 2. Ausflug - Abendessen - Bettruhe.

Wir waren in der ausklingenden Regenzeit dort. Zu dieser Jahreszeit sind die meisten Gebiete überflutet und nur per Boot zugänglich. Es ist schon etwas ganz Spezielles mit dem Kanu durch die Kronen mächtiger Bäume zu paddeln, gleichwohl wissend: Nur wenige Monate später könnte man den gleichen Weg trockenen Fusses zurücklegen.

Zu unserem grossen Glück waren wir die einzigen Gäste. Somit hatten wir unseren Guide stets ganz für uns alleine. Unsere Exkursionen führten uns an unterschiedlichste Ecken der Region. Einen Grossteil des Tages verbrachten wir eher passiv als Passagiere im Kanu, während "Amazon Tarzan" zugleich für den Antrieb sorgte, Dinge über die Umgebung erklärte und versuchte, uns Tiere und Vögel zwischen den Bäumen zu zeigen (Dass wir vor allem in den ersten Tagen eigentlich die Tiere fast nie erkannten muss für ihn nur schwer nachvollziehbar gewesen sein, allerdings machte er mit stoischer Geduld weiter und nach ein paar Tagen gewöhnten sich auch unsere Augen in der Tat deutlich besser an die Umgebung und ihre Herausforderungen).

Zu den speziellen Aktivitäten zählten unter anderem Piranha-Fischen und eine nächtliche Schleichfahrt zur Krokodilbeobachtung. Während der Landgänge durch den Dschungel erklärte der Guide sehr viel über Pflanzen und ihre (oftmals heilsame) Wirkung. Auf einer dieser Exkursionen war ich so ins Fotografieren irgendwelcher Pilze beschäftigt, dass ich leider gar nichts von der Anwesenheit zweier Panther in unmittelbarer Nähe mitbekam - leider eine seltene Gelegenheit, die sich nicht wiederholen sollte. Ursprünglich war zudem noch eine Übernachtung in einer Hängematte im Dschungel geplant - aufgrund nächtlichen Regens jedoch entschieden wir uns, diesen Punkt auszulassen (hierfür ist die Trockenzeit besser geeignet).

"Gefährliche" Tiere?

Gibt es (Spinnen, Schlangen, Skorpione, Frösche, Jaguare und vieles mehr)! Aber, und das ist entscheidend, beinahe alle diese Tiere haben grossen Respekt vor Menschen und suchen bereits das Weite, bevor ihr sie überhaupt wahrnehmt. Die Vorstellung, dass im Dschungel überall giftige kleine Biester sitzen die nur darauf warten, zufällig vorbeikommende Menschen zu beissen, ist also völliger Quatsch. Ein erfahrener Guide wird euch unterwegs rechtzeitig vor potenziellen Gefahren warnen und diese nach Möglichkeit umgehen. Dennoch solltet ihr die Augen offenhalten und darauf achten, wo ihr eure Füsse und Hände hinsetzt! Wie in anderen Regionen ist es sinnvoll, Schuhe und andere Kleidungsstücke vor dem Anziehen auszuschütteln. Schwimmen solltet ihr nur an Stellen, an denen es euer Guide ausdrücklich erlaubt! Ernsthaft, denn Krokodile, Piranhas oder elektrische Aale sind im Fall der Fälle nicht schüchtern. Grundsätzlich gilt: Mit ein wenig "gesundem Menschenverstand" braucht ihr euch keine Sorgen zu machen. Wir haben während unseres Aufenthaltes zwar sehr viele kleine und grosse Tiere gesehen, kamen aber nie auch nur ansatzweise in kritische Situationen. Also, lasst euch von diesen Dingen bloss nicht verrückt machen und die Vorfreude schmälern!

Grosse Freude machte unserem Guide das Anlocken von Krokodilen. Hierzu ahmte er lautstark die "glucksenden" Krokodil-Laute nach. Als wir eines Tages (gut getarnt durch das Gebüsch um uns herum) in unserer Nähe ein ausgelassenes Touristenboot bemerkten, signalisierte unser Guide durch Gesten: Ruhe! Anschliessend fing er lautstark mit eben diesen glucksenden Geräuschen an. Es dauerte nur einen kurzen Moment bis das andere Boot mit Vollgas das Weite suchte...


Fazit & Zusammenfassung

Es war wirklich eine unvergleichliche Erfahrung und die Erfüllung eines lang gehegten Traums! Die Landschaften Amazoniens stehen live den bekannten TV-Bildern definitiv in nichts nach...

  • Phasenweise fühle es sich für mich ein wenig seltsam an - die ganze Umgebung ist auf puren Überlebenskampf ausgerichtet. Jagd-Flucht; Angriff-Verteidigung; Abschreckung-Tarnung; Tod-Überleben. Nie zuvor und an keinem anderen Ort dieser Welt wurden mir diese grundlegenden und martialischen Mechanismen immer wieder so direkt vor Augen geführt. Mir wurde (grade in den ersten Tagen) sehr bewusst, wie hilflos ich in dieser Umgebung ohne Guide eigentlich war. Als Grossstadtbewohner bin ich an schlechte Luft, Verkehrsrowdies, Taschendiebe und vieles mehr gewohnt, aber das hier? In dieser - für mich so fremdem wie gleichermassen faszinierenden - Umgebung fühlte ich mich hin und wieder irgendwie deplaziert. Wie ein Alien; ein Eindringling, der dort eigentlich nichts zu suchen hat.
  • Ich kann jedem Besucher nur raten, etwas mehr Zeit im Gepäck zu haben! Je länger ihr vor Ort seid, umso grösser die Chance, euch auf die Umgebung einzulassen und euch ein wenig als Teil des Ganzen zu fühlen. Amazonien ist für uns "zivilisationsverkrüppelte" Europäer eine gewisse Art Kulturschock: Hier ist die Natur glücklicherweise noch ungezähmt; Flora, Fauna, Wetterphänomene sind so atemberaubend und intensiv, dass ich mich anfangs fast ein wenig überfordert fühlt. Bereits nach einigen Tagen jedoch bemerkte ich, wie sich meine Sinneswahrnehmungen zu verändern begannen. So gewöhnten sich beispielsweise meine Augen besser an die Umgebung des Dschungels und nahmen Reize viel deutlicher war als anfangs.
  • Ein wenig traurig hingegen stimmte mich das Vordringen der Zivilisation: In dem Gebiet kommen seit einiger Zeit verstärkt "Errungenschaften moderner Technik" zum Einsatz. Stereoanlagen und motorisierte Fahrzeuge mögen den Komfort des Einzelnen zwar erhöhen, sie sind allerdings kontraproduktiv für das Idyll und ein Störfaktor im Lebensraum der Tiere. Auch der Tourismus treibt bereits manch wunderliche Blüte - zwar kann man auch bisher glücklicherweise bei Weitem noch nicht von "Massen" sprechen, allerdings hinterlassen die (in der Hochsaison gelegentlich verkehrenden) Partydampfer schon einen faden Beigeschmack. Man kann nur hoffen, dass die besorgniserregenden Entwicklungen der letzten Jahre (zunehmende Rodungen, Bebauungen, Vertreibung und Entrechtung der indigenen Bevölkerung, Flächenbrände...) schnellstmöglich gestoppt werden um diesen einzigartigen Lebensraum zu erhalten!

Insgesamt war es eine wunderschöne, einzigartige und unvergessliche Erfahrung, die ich um keinen Preis missen möchte! Im Gegenteil - wir liebäugeln bereits jetzt mit einer Wiederholung. Allerdings hoffe ich, bei unserem nächsten Besuch länger bleiben zu können und auch weitere, mehrtägige Touren in wirklich abgelegene Gebiete zu unternehmen.


Weitere Tipps & Infos

Reisezeit

Die Landschaft Amazoniens verändert sich im Jahresverlauf extrem. Die Pegelstände der Flüsse schwanken je nach Saison im Schnitt um 10-15 Meter; zur Regenzeit sind weite Teiles des Landes überflutet und nur mit dem Boot zugänglich. Sowohl Regen- als auch Trockenzeit haben ihre Vor- und Nachteile. Auf jeden Fall solltet ihr euch vor einer Reise bewusst sein, dass die Wahl der Saison hier einen extremen Einfluss auf euer Erlebnis vor Ort haben wird.

Als Regenzeit gelten in der Region die Monate von Dezember bis Mai. Und "Regen" heisst dort wirklich viel Niederschlag. Allerdings können wir euch aus persönlicher Erfahrung sagen, dass die Niederschläge in aller Regel sehr kalkulierbar zu bestimmten Tageszeiten einsetzen (unter anderem gegen 7Uhr morgens oder nach dem Mittagessen). Erfahrene Guides wissen das, lesen das Wetter und planen den Tagesablauf entsprechend. Auch handelt es sich um kräftige, längere Schauer im Laufe des Tages. Komplett verregnete Tage (wie wir sie aus Europa kennen) treten dort eigentlich nicht auf. Ein Aufenthalt zur Regenzeit ist also grundsätzlich wirklich kein Problem - natürlich solltet ihr euch aber trotzdem eine Regenjacke einpacken! Frieren hingegen werdet ihr auch zu dieser Saison Dank schwül-heisser Temperaturen garantiert nicht!

Manaus

Manaus ist Ausgangspunkt eurer Reise und das Tor zum Amazonas. Die Millionenstadt selber ist unserer Ansicht nicht wirklich attraktiv - zwar gibt es ein imposantes Opernhaus (Teatro Amazonas) sowie einige recht hübsche Kolonialbauten, insgesamt jedoch reicht es eigentlich, wenn ihr euch am Tag der Landung und Abreise jeweils ein paar Stunden mit der City selber beschäftigt. Aber das ist natürlich nur unsere subjektive Einschätzung.

Aller Wahrscheinlichkeit werdet ihr dennoch mindestens zwei Nächte in der Stadt verbringen. Unser Tipp: Gönnt euch hier ein komfortables Hotel! Zum einen werdet ihr den Komfort nach eurem Amazonas-Abenteuer sicherlich doppelt zu schätzen wissen, zum anderen ist beispielsweise ein Pool im schwül-heissen Klima eine echte Wohltat!

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